Freitag, 10. Mai 2013

Nocturne

Schritte klappen auf Asphalt.
Regenfäden rieseln nieder.
Laternenschauer lauert bald.
In den Gassen, Schattenlieder.

Singende Winde, schweigende Wände,
Schluchten von einsamer Tiefe.
Hauchender Atem, erklammende Hände,
ein Träumen als ob ich schon schliefe.

Der nächtliche Zauber tausender Seelen,
das Ruhen der täglichen Masse.

Das seiende Sein und das fehlende Fehlen,
in dem ich mein Spiegelbild lasse.

Dienstag, 26. Februar 2013

Kultur

Wo finde ich denn bloss Kultur?
Ich such sie und vermute nur
zu wissen wo sie sich versteckt.
Vom Menschen scheinbar unentdeckt.

Ich such in Bildern, such in Worten,
such im Hören sie zu orten,
im Weltentaumel auf und nieder.
Find ich... und verlier sie wieder.

Nur im Insgesamten, da scheint sie zu bestehen.
Von weitem ganz im Kleinen,
droht sie unterzugehen.

Durch wissenschaftliche Missgunst,
als Ursprung allen Menschlichen,
gefangen im Reservat der Kunst.

So wird noch mancher wissensstur
und voller Einfalt fragen:

"Wo finde ich denn bloss Kultur?
Ich suche und vermut sie nur."

Donnerstag, 7. Februar 2013

Einfalt

Was wäre unsre Menschenheit
ohne die Vollkommenheit?
Wie unnatürlich schien das nur,
wenn Leben lebte ohne Uhr,
wenn Schönheit schönte voller Makel,
eine Chronik aus Gekrakel!
Unsre ganze Menschgeschicht!
Nein, so etwas gibt es nicht!

Man stell sich nur den Wildbach vor,
ohne seine Wellen.
Man stell sich einen Wachhund vor,
ohne grelles Bellen.

Man könnte gar nen Witz ersinnen,
ohne eine Pointe
Oder ein Gedicht,
das endet ohne Reim.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Lebensraum

Wir träumen gern von schönen Dingen,
leben im Nebel der Vorstellungskraft.
Wir träumen von Liebe, beginnen zu singen,
gestalten die Welt, sie ist fabelhaft.

Die Wirklichkeit, als schwarzer Schleier,
packt uns, nennt sich Realität.
In ihr verstummt die kühnste Leier
damit die Welt nicht aus den Fugen gerät.

Doch Fugen, bloss als Zwischenraum
verstanden gibt es nicht im Traum.
Ein Traum ist stets gefüllt.

Und alle, die Wirklichkeit traumlos ertrugen,
die lebten ihr Leben bloss in seinen Fugen,
in Zweifel und Trübsal gehüllt.

Dienstag, 27. November 2012

Was ist:

Was war, das ist.
Was ist, das wird.
Was wird, ist nicht.

Was nicht ist, kann aber noch werden.

Drum ist, was wird.
Drum war, was ist.
Drum ist, was ist.

Und alles andere ist
Mist.

Donnerstag, 15. November 2012

Das Stadtkind

In der Meute der Menschen von heute
sehen Gesichter aus wie Schatten.
Und Rufe erklingen wie Glockengeläute,
zerbreschen die eilenden Matten

Graue Seelen auf schwarzem Teer,
bunte Rebellen dazwischen.
Man rempelt ohne Gegenwehr
und hört den Hydraulik-Arm zischen.

"Was seh ich?" fragts in ängstlichem Ton
"Du siehst" ist die Antwort, "Zivilisation."

Freitag, 2. November 2012

Beinahe so nett

Auf Strassenpflaster zanken Tauben wohl
um Brösel die gefallen. Bis auf eine,
die verletzt danebensitzt. Die kriegt keine.
Unmoralisch voll. Ausgestossen hohl.

Der Mensch in seinem urgetreuen Wesen
versucht vor der guten Moral zu bestehn.
Ist nett und freundlich wenn gesehn.
Und sieht man weg ists drum geschehn.

Den Tauben, tierisch wie sie scheinen,
wird solch Verhalten rasch vergeben.
Man lässt sie leben wie sie leben.

Denn der Mensch, (es ist zum weinen)
machts munter nach moralisch fett.
Er ist halt nur beinah so nett.